Verdienst du fair? Die wichtigsten Fakten zum Gender Pay Gap
Gleiches Gehalt für gleiche Leistung – das klingt selbstverständlich. Trotzdem verdienen Frauen in Deutschland durchschnittlich weniger als Männer. Der sogenannte Gender Pay Gap sorgt deshalb seit Jahren für Diskussionen. Doch was steckt wirklich hinter der Lohnlücke?
Der Gender Pay Gap beschreibt den Unterschied zwischen den durchschnittlichen Bruttostundenlöhnen von Frauen und Männern. Nach aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes (Destatis) beträgt der unbereinigte Gender Pay Gap 16 Prozent.
Frauen verdienen demnach pro Stunde durchschnittlich 16 Prozent weniger als Männer.
Diese Zahl wird allerdings häufig missverstanden. Sie bedeutet nicht, dass Frauen automatisch für die gleiche Tätigkeit 16 Prozent weniger Lohn erhalten.
Deshalb unterscheidet die Statistik zwischen zwei Kennzahlen.
Unbereinigter Gender Pay Gap (16 Prozent): Hier werden sämtliche Bruttostundenlöhne von Frauen und Männern miteinander verglichen. Unterschiede bei Berufswahl, Branche, Arbeitszeit, Führungsverantwortung oder Erwerbsunterbrechungen fließen vollständig in die Berechnung ein.
Bereinigter Gender Pay Gap (6 Prozent): Bei dieser Berechnung werden möglichst viele dieser Einflussfaktoren statistisch berücksichtigt. Dennoch bleibt eine Lohnlücke von rund sechs Prozent bestehen. Dieser Unterschied lässt sich mit den verfügbaren Daten nicht vollständig erklären.
Ein einfaches Beispiel: Verdient Lisa zu wenig oder Kai zu viel?
Prozentzahlen sind oft schwer greifbar. Deshalb hilft ein einfaches Beispiel. Stell dir vor, ein Unternehmen bezahlt für eine bestimmte Stelle üblicherweise 100 Euro pro Stunde. Kai erhält genau diese 100 Euro. Lisa bekommt dagegen 80 Euro.
Jetzt stellt sich die entscheidende Frage: Ist Lisa unterbezahlt? Oder verdient Kai zu viel?
Allein anhand der Zahlen lässt sich das nicht beantworten. Arbeiten beide in derselben Position, verfügen über die gleiche Qualifikation, Berufserfahrung und Verantwortung, wäre eine unterschiedliche Bezahlung nicht gerechtfertigt.
Arbeiten sie dagegen in verschiedenen Berufen, Branchen oder Hierarchiestufen oder unterscheiden sich Arbeitszeit und Aufgabenbereich, kann das den Lohnunterschied zumindest teilweise erklären. Genau deshalb reicht der Blick auf eine einzige Prozentzahl nicht aus.
Warum gibt es die Lohnlücke?
Für den Gender Pay Gap gibt es nicht nur eine Ursache, sondern mehrere. Frauen arbeiten häufiger in Berufen, die traditionell schlechter bezahlt werden – etwa im sozialen oder pflegerischen Bereich. Gleichzeitig übernehmen sie häufiger familiäre Aufgaben und arbeiten deshalb öfter in Teilzeit oder unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit, beispielsweise während der Elternzeit.
Das wirkt sich langfristig auf Einkommen, Karrierechancen und später auch auf die Rente aus.
Hinzu kommt, dass Führungspositionen noch immer überwiegend von Männern besetzt sind. Da diese Stellen meist besser vergütet werden, beeinflusst auch das den durchschnittlichen Stundenlohn.
Selbst wenn solche Unterschiede statistisch berücksichtigt werden, bleibt der bereinigte Gender Pay Gap bestehen. Dieser Restunterschied lässt sich mit den vorhandenen Daten nicht vollständig erklären.

Fünf Fakten zum Gender Pay Gap
- Deutschland gehört weiterhin zu den Ländern mit einer vergleichsweise großen Lohnlücke: Mit einem unbereinigten Gender Pay Gap von 16 Prozent liegt Deutschland über dem EU-Durchschnitt.
- Ost- und Westdeutschland unterscheiden sich deutlich: In Ostdeutschland fällt die Lohnlücke traditionell geringer aus. Gründe sind unter anderem eine höhere Vollzeitquote von Frauen und andere Erwerbsbiografien.
- Je höher das Einkommen, desto größer häufig die Lohnlücke: Vor allem in Führungspositionen und gut bezahlten Berufen wächst der Unterschied häufig. Fachleute sprechen hier von der sogenannten gläsernen Decke.
- Tarifverträge schaffen mehr Transparenz: In tarifgebundenen Unternehmen sind Gehälter klarer geregelt. Dadurch fallen Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen häufig geringer aus.
- Bonuszahlungen verstärken die Lohnlücke: Variable Vergütungen wie Boni oder leistungsabhängige Prämien fallen bei Männern im Durchschnitt höher aus – und tragen damit zusätzlich zum Gender Pay Gap bei.
Lohntransparenzgesetz soll für mehr Gleichberechtigung sorgen
Entgelttransparenzgesetz: Warum Gehälter künftig transparenter werden
Mit der europäischen Entgelttransparenzrichtlinie sollen Gehälter künftig transparenter werden. Deutschland muss diese Vorgaben in nationales Recht umsetzen. Ziel ist es, ungerechtfertigte Lohnunterschiede schneller sichtbar zu machen und Beschäftigten eine bessere Grundlage für Gehaltsverhandlungen zu geben.
Für dich bedeutet das ganz konkret:
- Unternehmen werden künftig häufiger Gehaltsspannen in Stellenanzeigen nennen oder diese spätestens vor dem Vorstellungsgespräch offenlegen müssen.
- Beschäftigte erhalten bessere Möglichkeiten, ihre Vergütung mit vergleichbaren Tätigkeiten im Unternehmen einzuordnen.
- Gehaltsstrukturen sollen nachvollziehbarer werden und dadurch mehr Fairness schaffen.
Mehr Transparenz sorgt zwar nicht automatisch für gleiche Gehälter. Sie erleichtert es aber, Ungleichbehandlungen zu erkennen und das eigene Gehalt besser einzuschätzen.
So gehst du besser vorbereitet in Gehaltsverhandlungen
Wer seinen Marktwert kennt, verhandelt erfolgreicher. Faire Bezahlung beginnt nicht erst mit der ersten Gehaltsabrechnung, sondern bereits im Bewerbungsprozess. Mit diesen Tipps verbesserst du deine Chancen, um mehr Geld zu verdienen:
- Informiere dich über marktübliche Gehälter in deiner Branche.
- Sammle konkrete Beispiele für deine Leistungen und Erfolge.
- Überlege dir vorab dein Ziel: Möchtest du mehr Gehalt oder sind steuerbegünstigte Zusatzleistungen wie Jobticket, Essenszuschüsse oder ein Firmenwagen für dich attraktiver?
- Orientiere dich an transparenten Gehaltsspannen statt an Bauchgefühlen.
- Bereite Gehaltsgespräche sorgfältig vor.
- Unterschätze deinen eigenen Marktwert nicht.
- Informiere dich deshalb vor jedem Vorstellungsgespräch über übliche Gehälter für deine Position
Je besser du vorbereitet bist, desto souveräner kannst du deine Gehaltsvorstellungen begründen. Als Faustregel gilt: Etwa alle 12 bis 18 Monate lohnt sich ein Gespräch über das Gehalt – vorausgesetzt, du hast zusätzliche Verantwortung übernommen oder besondere Leistungen erbracht.
Investiere in dich – das bringt dir langfristig mehr Geld
Wenn es um Geldanlage geht, denken viele zuerst an Aktien, ETFs oder Immobilien. Dabei gibt es eine Investition, die oft die höchste Rendite bringt: du selbst.
Jede neue Fähigkeit, jede Weiterbildung und jede zusätzliche Qualifikation kann deinen Marktwert erhöhen. Anders als bei vielen Geldanlagen profitierst du davon nicht nur einmal, sondern oft über dein gesamtes Berufsleben. Schon eine einzige Gehaltserhöhung wirkt sich langfristig aus – auf dein laufendes Einkommen, spätere Bonuszahlungen und sogar auf deine Rentenansprüche.
Überlege deshalb regelmäßig, welche Kompetenzen dich beruflich weiterbringen können.
Zwei Beispiele:
Dein Vorgesetzter sagt dir, dass du deine Projekte besser strukturieren solltest? Dann kann sich eine Weiterbildung im Projekt- oder Zeitmanagement auszahlen. Du arbeitest anschließend effizienter, sammelst neue Qualifikationen und verbesserst gleichzeitig deine Chancen auf mehr Verantwortung und ein höheres Gehalt.
Oder bekommst du häufig das Feedback, dass du dich in Meetings stärker einbringen solltest? Dann kann ein Präsentations- oder Kommunikationstraining genau die richtige Investition sein. Wer sicher auftritt und überzeugend kommuniziert, wird häufiger für verantwortungsvollere Aufgaben oder Führungspositionen berücksichtigt – und hat bei einer Umorientierung Vorteile im Bewerbungsprozess.
Die Lohnlücke wächst mit dem Alter. Während sie bei jungen Beschäftigten relativ gering ist, steigt sie im Laufe des Berufslebens deutlich an. Deshalb überlege dir regelmäßig, was dich im Job weiterbringen kann. Investiere in dich und prüfe regelmäßig deinen Marktwert – so erhöhst du die Chance auf faire Bezahlung.
Wie immer und wichtig!

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