Viele Menschen achten heute darauf, was sie essen, wie sie reisen oder welche Kleidung sie kaufen. Doch ein Bereich wird dabei oft vergessen: das eigene Geld.

Mit deiner Geldanlage bist du Teil eines Finanzsystems, das bestimmte Unternehmen und Branchen finanziert und unterstützt. Wie groß dein Einfluss tatsächlich ist, hängt allerdings vom jeweiligen Finanzprodukt und seiner Anlagestrategie ab. Die gute Nachricht: Schon mit wenigen einfachen Kriterien kannst du nachhaltigere Geldanlagen und Banken erkennen.

Geld arbeitet immer – auch für oder gegen deine Werte

Wenn du Geld auf dem Konto hast, in ETFs investierst oder eine private Altersvorsorge besitzt, bleibt es nicht einfach ungenutzt. Banken vergeben Kredite, Fonds investieren in Unternehmen und Versicherungen legen Kundengelder an den Finanzmärkten an. Damit fließt dein Geld in den Wirtschaftskreislauf und kann – je nach Finanzprodukt – bestimmte Unternehmen und Branchen mitfinanzieren.

Bei vielen klassischen Finanzprodukten stehen vor allem Rendite, Risiko und eine breite Streuung im Vordergrund. Nachhaltigkeitskriterien spielen dabei häufig keine oder nur eine untergeordnete Rolle. Wer genauer hinschaut, kann seine Geldanlage deshalb bewusster auswählen und entscheiden, welche Geschäftsmodelle er unterstützen möchte – und welche nicht.

Warum viele Geldanlagen Massentierhaltung unterstützen

Was viele Anleger überrascht: Selbst bekannte ETFs oder Mischfonds können Unternehmen enthalten, deren Geschäftsmodelle mit industrieller Tierhaltung verbunden sind. Dazu gehören beispielsweise Fleischkonzerne, Futtermittelhersteller oder Unternehmen aus der Lebensmittelindustrie.

Wer Tierwohl bei der Geldanlage berücksichtigen möchte, sollte deshalb genauer hinschauen. Entscheidend ist, welche Unternehmen ein Fonds tatsächlich enthält und nach welchen Kriterien sie ausgewählt werden.

Auch Umwelt- und Klimafolgen können dabei eine Rolle spielen: Intensive Tierhaltung ist unter anderem mit hohen Treibhausgasemissionen, einem großen Flächen- und Wasserverbrauch und dem Anbau von Futtermitteln verbunden.

Viele Anleger wissen nicht genau, welche Unternehmen in ihrem Fonds enthalten sind. Genau deshalb lohnt sich ein Blick auf die Fondsbestandteile und die Nachhaltigkeitskriterien. So lässt sich besser einschätzen, ob eine Geldanlage tatsächlich zu den eigenen Vorstellungen von Nachhaltigkeit und Tierwohl passt.

MSCI World: breit gestreut, aber nicht automatisch nachhaltig

Der MSCI World gehört zu den bekanntesten Aktienindizes der Welt und bildet Unternehmen aus zahlreichen Industrieländern ab. ETFs, die diesen Index nachbilden, sind bei Anlegern beliebt, weil sie eine breite Streuung über viele Unternehmen und Branchen ermöglichen. Nachhaltigkeitskriterien stehen bei einem klassischen MSCI World jedoch nicht im Mittelpunkt.

Dadurch können beispielsweise Unternehmen enthalten sein, die:

  • in der Förderung oder Verarbeitung fossiler Energieträger tätig sind
  • hohe CO₂-Emissionen verursachen
  • in Branchen mit problematischen Geschäftsaktivitäten tätig sind
  • Unternehmen aus der Fleisch- und Lebensmittelindustrie umfassen
  • Geschäftsmodelle verfolgen, die nicht zu den eigenen Nachhaltigkeitsvorstellungen passen

Wer nachhaltig investieren möchte, sollte deshalb nicht allein auf die breite Streuung eines ETFs achten. Entscheidend ist, welche Unternehmen tatsächlich enthalten sind und nach welchen Nachhaltigkeitskriterien der Fonds auswählt. Ein breit gestreuter ETF ist also nicht automatisch eine nachhaltige Geldanlage.

ESG, SRI, Climate und Impact: Was steckt dahinter?

Wenn du nachhaltiger investieren möchtest, wirst du schnell auf verschiedene Begriffe und Abkürzungen stoßen. Besonders häufig begegnen dir ESG und SRI. Daneben gibt es beispielsweise Climate- beziehungsweise Paris-Aligned-ETFs und das Konzept des Impact Investing. Die Ansätze verfolgen unterschiedliche Ziele und arbeiten mit unterschiedlichen Auswahlkriterien.

ESG steht für Environmental, Social and Governance – also Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung. ESG-ETFs berücksichtigen diese Kriterien bei der Auswahl ihrer Unternehmen. Wie streng die Auswahl ausfällt, kann sich allerdings deutlich unterscheiden. Deshalb können auch Unternehmen enthalten sein, die nicht zu allen persönlichen Nachhaltigkeitsvorstellungen passen.

SRI steht für Socially Responsible Investing, also sozial verantwortliches Investieren. SRI-ETFs arbeiten häufig mit strengeren Auswahl- und Ausschlusskriterien als breit angelegte ESG-Ansätze. Welche Kriterien tatsächlich gelten, hängt jedoch vom jeweiligen Index und Fonds ab. Dadurch kann das Portfolio stärker auf Unternehmen ausgerichtet sein, die bestimmte Nachhaltigkeitsanforderungen erfüllen.

Climate- beziehungsweise Paris-Aligned-ETFs richten ihren Schwerpunkt stärker auf den Klimaschutz. Sie sollen beispielsweise die CO₂-Intensität eines Portfolios deutlich reduzieren und die Ausrichtung auf die Ziele des Pariser Klimaabkommens berücksichtigen. Je nach Index können fossile Unternehmen stärker reduziert oder ausgeschlossen werden.

Impact Investing geht noch einen Schritt weiter: Hier geht es nicht nur darum, problematische Unternehmen auszuschließen oder Nachhaltigkeitskriterien zu berücksichtigen. Ziel ist vielmehr, mit einer Investition eine messbare positive ökologische oder soziale Wirkung zu erzielen – beispielsweise durch Projekte oder Unternehmen aus den Bereichen erneuerbare Energien, nachhaltige Infrastruktur oder soziale Entwicklung.

Wichtig ist deshalb: Keine dieser Bezeichnungen allein sagt dir, wie nachhaltig ein Finanzprodukt tatsächlich ist. Entscheidend sind die konkreten Auswahl- und Ausschlusskriterien, die Zusammensetzung des Fonds und – beim Impact Investing – möglichst auch der Nachweis der tatsächlichen Wirkung..

(Quelle: Statista)

Perfekt nachhaltig? So einfach ist es leider nicht

Perfekte Geldanlagen gibt es kaum. Auch nachhaltige ETFs können Unternehmen enthalten, die nicht in allen Bereichen überzeugen. Entscheidend ist deshalb nicht absolute Perfektion, sondern die Frage, welche Kriterien ein Finanzprodukt tatsächlich anwendet und wie konsequent es Nachhaltigkeit berücksichtigt.

Genau hier lohnt sich ein genauer Blick. Begriffe wie „grün“, „nachhaltig“ oder „ESG“ reichen allein nicht aus, um die Nachhaltigkeit eines Finanzprodukts zu beurteilen. Allerdings gibt es inzwischen strengere Vorgaben für Fonds, die ESG- oder Nachhaltigkeitsbegriffe in ihrem Namen verwenden.

Die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde ESMA verlangt unter anderem, dass grundsätzlich mindestens 80 Prozent der Investitionen eines Fonds mit ESG- oder Nachhaltigkeitsbegriffen im Namen zur beworbenen Umwelt-, Sozial- oder Nachhaltigkeitsausrichtung beitragen.

Die Regeln sollen Anleger besser vor irreführenden oder übertriebenen Nachhaltigkeitsversprechen schützen. Trotzdem solltest du prüfen, welche Unternehmen tatsächlich im Fonds enthalten sind und nach welchen Anlage- und Ausschlusskriterien sie ausgewählt werden. Nicht die Werbung allein entscheidet darüber, wie nachhaltig ein Produkt ist, sondern seine konkrete Zusammensetzung und seine Auswahlkriterien.

So erkennst du nachhaltige Geldanlagen einfacher

Nachhaltige Investments zu finden, klingt komplizierter, als es ist. Mit ein paar einfachen Prüfschritten kannst du besser einschätzen, ob ein Finanzprodukt tatsächlich zu deinen Vorstellungen passt.

1. Prüfe die Ausschlusskriterien

Schau zuerst nach, welche Branchen und Geschäftsmodelle ein Fonds ausdrücklich ausschließt. Dazu können beispielsweise Kohle, fossile Energien, Waffen, Tabak oder Unternehmen mit bestimmten Verstößen gegen soziale und ökologische Standards gehören. Je genauer die Kriterien beschrieben sind, desto besser kannst du beurteilen, was dein Geld tatsächlich unterstützt.

2. Schau ins Portfolio

Der Name eines ETFs oder Fonds sagt allein wenig über seine tatsächliche Zusammensetzung aus. Prüfe deshalb die enthaltenen Unternehmen und insbesondere die größten Positionen. Findest du dort Unternehmen aus Branchen, die du bewusst vermeiden möchtest, solltest du genauer hinsehen. Auch die Gewichtung einzelner Unternehmen kann relevant sein.

3. Nutze Siegel und Bewertungen als Orientierung

Nachhaltigkeitssiegel und unabhängige Bewertungen können die Auswahl erleichtern. Ein Beispiel ist das FNG-Siegel für nachhaltige Investmentfonds. Auch ESG-Ratings oder Nachhaltigkeitsbewertungen von Verbraucherportalen können zusätzliche Hinweise liefern. Sie ersetzen jedoch nicht den Blick auf die konkreten Anlagekriterien und die Fondsbestandteile.

4. Hinterfrage nachhaltige Versprechen

Begriffe wie „grün“, „nachhaltig“ oder „ESG“ reichen allein nicht aus, um die Qualität einer Geldanlage zu beurteilen. Entscheidend ist, was tatsächlich hinter diesen Begriffen steckt. Prüfe deshalb, welche Kriterien angewendet werden, welche Unternehmen ausgeschlossen sind und wie streng der Fonds auswählt. So kannst du das Risiko von Greenwashing besser einschätzen.

5. Vergleiche nicht nur die Rendite

Bei der Auswahl einer nachhaltigen Geldanlage solltest du neben Nachhaltigkeitskriterien auch Kosten, Risiko, Streuung und Anlagehorizont berücksichtigen. Vergleichsportale und ETF-Datenbanken wie justETF, Fondsweb oder Morningstar können dabei helfen, verschiedene Produkte gegenüberzustellen. Eine nachhaltige Geldanlage sollte nicht nur zu deinen Werten, sondern auch zu deinen finanziellen Zielen und deiner Risikobereitschaft passen.

Deine Bank finanziert mehr, als du denkst

Nicht nur ETFs und Fonds spielen bei nachhaltiger Geldanlage eine Rolle. Auch die Wahl deiner Bank kann relevant sein. Banken vergeben Kredite und finanzieren damit Unternehmen, Projekte und andere wirtschaftliche Aktivitäten. Welche Branchen dabei unterstützt werden, unterscheidet sich von Bank zu Bank.

Wenn dir Nachhaltigkeit wichtig ist, lohnt sich deshalb auch ein Blick darauf, wie deine Bank mit Kundengeldern arbeitet und welche Finanzierungen sie ausschließt oder gezielt unterstützt.

So findest du eine nachhaltige Bank

Nachhaltige Banken unterscheiden sich vor allem durch ihre Geschäfts- und Anlagekriterien. Sie legen offen, welche Branchen und Geschäftsmodelle sie von Finanzierungen oder Investitionen ausschließen und welche Bereiche sie gezielt unterstützen.

Achte bei der Auswahl zum Beispiel auf:

  • Ausschluss fossiler Energien
  • Ausschluss von Rüstungsunternehmen
  • Kriterien für Tierwohl und Massentierhaltung
  • transparente Nachhaltigkeitsrichtlinien
  • nachvollziehbare Informationen über Finanzierungen und Investitionen

Viele Anbieter bieten inzwischen Girokonten, Karten und Banking-Apps mit den Funktionen klassischer Banken. Der entscheidende Unterschied liegt deshalb weniger im täglichen Banking als in der Frage, was mit dem Geld im Hintergrund passiert.

Beispiele für nachhaltige Banken

Zu den in Deutschland bekannten Anbietern mit eigenen ökologischen und ethischen Kriterien gehören unter anderem:

  • GLS Bank – sozial-ökologischer Fokus und eigene Ausschlusskriterien
  • Triodos Bank – Fokus auf nachhaltige Finanzierung und Investitionen
  • EthikBank – umfangreiche ethisch-ökologische Ausschlusskriterien
  • UmweltBank – Schwerpunkt auf Umwelt- und Klimaprojekten
  • Tomorrow – nachhaltiges Banking-Angebot mit Fokus auf ökologische und soziale Wirkung

Wichtig: Auch diese Anbieter unterscheiden sich bei ihren Kriterien und Geschäftsmodellen. Deshalb solltest du vor der Kontoeröffnung prüfen, welche Bereiche die jeweilige Bank tatsächlich ausschließt und wie transparent sie ihre Finanzierungen darstellt.

(Quelle: Statista)

Nachhaltigkeit ist nicht das einzige Kriterium

Nachhaltigkeit kann bei der Geldanlage eine wichtige Rolle spielen. Sie ersetzt aber nicht die grundlegenden Fragen jeder Finanzentscheidung: Wie hoch sind die Kosten? Welches Risiko gehe ich ein? Wie breit ist die Anlage gestreut? Und wann brauche ich das Geld wieder?

Eine Geldanlage ist deshalb nicht automatisch passend, nur weil sie nachhaltiger investiert. Sie sollte zu deinen finanziellen Zielen, deinem Anlagehorizont und deiner persönlichen Risikobereitschaft passen. Nachhaltigkeit ist ein zusätzliches Kriterium – und für manche Anleger ein besonders wichtiges.

Kleine Entscheidungen mit großer Wirkung

Geld beeinflusst, welche Unternehmen und Geschäftsmodelle Kapital erhalten. Genau deshalb achten immer mehr Menschen nicht nur auf Rendite, sondern auch darauf, welche Wirkung ihre Geldanlage haben kann.

Dabei muss es nicht um Perfektion gehen. Nachhaltige Geldanlagen können helfen, bestimmte Branchen auszuschließen oder Unternehmen mit besseren ökologischen und sozialen Ansätzen stärker zu berücksichtigen. Entscheidend ist, genau hinzuschauen und nicht allein auf Begriffe wie „grün“, „nachhaltig“ oder „ESG“ zu vertrauen.

Auch die Wahl der Bank kann Teil dieser Entscheidung sein. Wer weiß, welche Kriterien eine Bank bei Finanzierungen und Investitionen anlegt, kann bewusster entscheiden, welchem Finanzinstitut er sein Geld anvertraut.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: „Wie viel Rendite bekomme ich?“ Sondern auch: „Welche Zukunft unterstütze ich mit meinem Geld?“ Nachhaltige Geldanlagen verändern die Welt nicht über Nacht. Sie geben dir aber die Möglichkeit, Vermögensaufbau und Verantwortung bewusster miteinander zu verbinden.

Wie immer und wichtig!

Dein eigenes Risiko!

Wir schreiben in unserem Online Magazin über Dinge, die wir selber so erlebt haben. Wir geben keine Beratung, höchstens Tipps.

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